Treffen des KBV-Vorstandes mit der Restauratorin der Wandmalereien
Während die Gewölbe- und Wandmalereien im April in unserer Kirche restauriert wurden, hatten die Mitglieder des KBV-Vorstandes die Möglichkeit, sich von der Restauratorin Ina Heine die Arbeiten an den Wandmalereien erklären zu lassen, denn dieses Projekt wurde vom Kirchbauverein finanziert. Streng genommen sei es ja keine Restaurierung, hat uns Frau Heine erklärt, sondern eine Konservierung, denn die Arbeiten haben nicht das Ziel, die Wandmalereien in einer irgendwie gearteten früheren Form wieder herzustellen, sondern es gehe einzig und allein darum, den Bestand in dem derzeitigen Zustand zu erhalten, damit die Malereien während der anstehenden Sanierung der Kirche keinen Schaden nehmen.
Laut dem Kirchenführer von Ulfrid Müller (1929-2019) stammen die Fresken „ihrem Charakter nach aus der 1. Hälfte des 15.Jhdts.“ (U. Müller: Die Klosterkirche Reinhausen, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte Band IX 1970, S.27). Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Bilder mehrfach übermalt. Die Malereien, die wir heute sehen, wurden um 1900 freigelegt und in den 60er Jahren nachgemalt, damit die alten Bilder wieder gut sichtbar sind. Dabei wurden überwiegend die Kontur- und Binnenlinien nachgezogen sowie Teilbereiche einfarbig übermalt. Die Feinheiten und Details der Darstellungen sind zum Teil kaum noch nachvollziehbar. Teilweise wurden auch grobe Putzergänzungen vorgenommen, so dass an diesen Stellen die Malereien eine andere Oberflächenstruktur aufweisen.
Was bedeutet es nun konkret, den Bestand zu sichern? Es geht dabei darum, den teilweise lockeren Putz zu befestigen, da bei der bevorstehenden Kirchensanierung die Gefahr besteht, dass der Putz bereits bei leichten Erschütterungen abfällt. Frau Heine hat dafür den sogenannten Perkussionstest gemacht, d.h. den Putz vorsichtig mit dem Finger abgeklopft, um zu hören, wo sich Hohlräume verbergen. Diese Hohlräume mussten mit einem Injektionsmittel gefüllt werden, damit der Putz wieder fest mit dem Mauerwerk verbunden ist. Das Bindemittel wird aus einem Pulver auf Kalkbasis mit Wasser angerührt und dann mit einer kleinen Spritze (aus der Apotheke) in ein Löchlein im Putz gespritzt. Als Fachmann wollte Hartmut Geries gern wissen, wie das Mischungsverhältnis von Wasser und Kaltpulver ist. Das hänge von der gewünschten Fließfähigkeit ab, erläuterte Frau Heine. Je schmaler der Abstand zwischen dem Putzträger und der Putzscholle, desto dünnflüssiger müsse das Hinterfüllmaterial sein. Zum Hinterfüllen werden bereits im Putz vorhandene Risse und Löcher genutzt. (Die Anbindung der losen Putzschollen mithilfe des Injektionsmittels erfolgt über den chemischen Prozess der Carbonatisierung.) Wenn die Gefahr besteht, dass die Kalklösung wieder aus dem Loch herausläuft, wird ein kleiner Wattebausch in das Loch gestopft, um den Abfluss zu verhindern. Es ist während der Konservierungsarbeiten wichtig, dass die Temperatur nicht unter 10°C fällt und es darf auch nicht zu warm werden, aber die Gefahr bestand trotz des Sonnenwetters im April wegen der dicken Kirchenmauern nicht.
Neben den Informationen zum konkreten Vorgehen während der Konservierung hat uns Frau Heine auch noch einige andere interessante Details zu den Wandmalereien erzählt. So gibt es an einigen Stellen sogenannte Strichretuschen, d.h. dort wurden in den 1960er Jahren Stellen, an denen keine Farbe mehr vorhanden war, mit vielen kleinen Strichen nachgemalt. Die Konturlinien, die in den 60 Jahren nachgezogen wurden, sieht man besonders gut bei der Auferstehungsszene auf der Orgelempore. Heute würde man Konturlinien nicht mehr so nachzeichnen, weil die Figuren dadurch sehr schematisch erscheinen, wie man gut an den Wachen am Grab sehen kann. Die Figuren wirken deshalb fast wie aus einem Comic, meinte Frau Heine. Diese Information fand ich besonders interessant, denn ich hätte solche Konturlinien immer als typisch Mittelalter eingestuft.
Auf eine besondere Malerei hat uns Frau Heine schließlich auf dem Dachboden hingewiesen. Dort sieht man ein Fabelwesen ohne Kopf, hinter dem die Restauratoren einen Basilisken vermuten. Warum dieser Basilisk dort zu sehen ist, kann bisher noch niemand sicher sagen. Es wäre gut möglich, dass dieses Fabelwesen zur Abwehr böser Geister dorthin gemalt wurde. Dem widerspräche allerdings die ungewöhnliche Position auf dem Dachboden. Zwar sei in alten Schriften davon die Rede, dass sich unter dem Turm mehrere Kapellen befunden hätten, so dass man davon ausgehen könne, dass dieser Basilisk ein Bestandteil der Malerei in einer dieser Kapellen gewesen sei, es wurden aber bisher keine Anzeichen dafür gefunden worden, dass sich an dieser Stelle auf dem Dachboden tatsächlich eine Kapelle befunden hat. Herr Behrmann ergänzte dazu, dass eine solche Funktion der Geisterabwehr im Mittelalter das Tympanon hatte, das im Kirchenportal als Abschlussstein anstelle des Rundbogens verankert war. Heute kann man hinter dem Altar das Fabelwesen im Tympanon – einen Löwen – noch bewundern. Dass gerade der in unseren Wäldern fremde Löwe zur Abwehr des Bösen diente, folge aus einem Vers aus dem ersten Petrusbrief Vers 8: „Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge“, hat Herr Behrmann noch hinzugefügt.
Für alle Beteiligten waren die Ausführungen von Frau Heine überaus interessant und wir sind Frau Heine sehr dankbar, dass sie sich Zeit für uns genommen hat.
Katja Freise





